Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen

Diese Zeilen sind für Dich.
Und für die anderen, die auszogen oder noch unterwegs sind.

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Als Du mir erzählt hast, dass Du dieses Knacken nicht mehr aus Deine Ohren bekommst, hätte ich Dich gern in den Arm genommen, um Dich zu trösten.
Dieses knackende Geräusch, das Du gehört hast, als deiner Frau bei der Geburt der Damm geschnitten wurde. Alles ging so schnell, Du hast Dich so überrumpelt gefühlt. Keiner hat Euch gefragt. Und dieses Bild der Schere – Du bekommst es nicht mehr raus aus Deinem Kopf.

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Und als Du mir erzählt hast, dass Du fast durchgedreht bist, weil auch nach dem dritten Versuch, Deiner Frau eine PDA zu legen, es nicht geklappt hat und sie hilflos und beklemmender Position über ihren Bauch gerollt vor dir saß, da hätte ich auch Dich gern in den Arm genommen. Du hast darauf bestanden, dass kein Assistenzarzt mehr Hand an den Rücken Deiner Frau legen darf. Das war mutig, dass Du Deine Frau beschützt hast. Das habe ich Dir gesagt, aber in den Arm genommen habe ich Dich nicht.

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Ich erinnere mich, als Du mir erzählt hast, wie regungslos und festgefroren Du alles ertragen hast, weil Du nicht wusstest, was Du machen sollst, als mehrere Ärzt*innen nacheinander zwischen die Beine Deiner wehenden Frau gegriffen haben, um zu lernen, wie sich ein geöffneter Muttermund anfühlt und wie man seinen Durchmesser ertastet, da hätte ich fast geweint und Dir in einer Umarmung gesagt, dass ich Dich in Deinem Schock verstehen kann.

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Ihr wart alle fremde Männer. Ich weiß nicht, ob Ihr eine Umarmung zugelassen hättet, in diesem verletzlichen Moment, als Ihr mir das erzählt habt. Euch in meine Arme zu nehmen, kann ich nur durch diese Zeilen, wenn Ihr das zulasst.
Dass Ihr mir das erzählt habt, nebenbei und fast im Vorbeigehen, war mutig und heilsam. Denn ihr habt darüber gesprochen und damit das Erlebte zu einer gemeinsamen Erfahrung zwischen Euch und Euren Frauen gemacht, auch wenn Ihr mit ihnen darüber vielleicht noch nicht gesprochen habt. Einen ersten Schritt habt Ihr getan.

Wir schaffen das nicht alleine, wisst ihr? Wir schaffen das nur mit Euch, denn Ihr wart ja auch dabei. An unserer Seite.

Danke, dass Ihr nicht darüber schweigt und im Moment der Erinnerung Stille habt Einzug halten lassen. Es ist Platz für Eure Ängste, Sorgen, Gefühle und auch für Eure Wut und den Schmerz – nicht nur an einem Tag wie dem Roses Revolution Day.

Silke,
von Elternstimme sichere Geburt


Diese drei Gespräche habe ich nur mit Männern geführt, zufällig und unerwartet.
Frauen möchte ich auch Mut machen, mit ihren Partnerinnen darüber zu sprechen.


 

 

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