Mehr Sport, weniger Kaiserschnitte

Die Ärztezeitung berichtet heute von einer norwegischen Studie zum Thema Sport in der Schwangerschaft. „Mehr Sport, weniger Kaiserschnitte“ lautet der Beitragstitel.

Ich frage mich, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen sportlichen Aktivitäten und Notoperationen gibt. Im Moment fühlt sich das für mich befremdlich an. Denn es bedeutet auch hier: selbst schuld am Notkaiserschnitt. Da bin ich anderer Meinung!

Wenn Schwangere sich nicht sportlich ertüchtigen, steigt das Risiko für eine Notsectio. Das fanden zumindest die norwegischen Forscher heraus und bitten darum, diesen möglichen Zusammenhang auch in anderen Ländern zu überprüfen.

Aber Achtung! In der norwegischen Studie werden alle Kaiserschnittentscheidungen mitgezählt, die bis zu 8 Stunden vor der Operation getroffen werden. Bei uns ist die Entscheidung, und in diesem Fall ist es eindeutig eine Ärzteentscheidung, eine Frage von Minuten. Es ist ja schließlich ein Notfall.
Alles andere sind geplante Kaiserschnitte und keine Notoperationen.

Zudem wurden in der Studie lediglich Erstgebärende befragt. Für mehrgebärende Frauen sollte ein Aufruf zu intensiven Sportarten vor der Geburt sicher nicht als  Allgemeinempfehlung verstanden werden, zumal es hier keine sicheren Untersuchungsergebnisse zu geben scheint.

Ob intensive Sportarten vor der Geburt, genannt werden im Artikel Ballsportarten und Laufsport, in der Schwangerschaft tatsächlich eine höhere Risikoreduktion für (Not-)Kaiserschnitte hervorbringen, bleibt noch zu beweisen. Zu viele andere Faktoren unter der Geburt verhindern einen reibungslosen Ablauf. Ich denke da an Frauen, die betreuungslos und verkabelt ans Bett gebunden sind oder medizinische Eingriffe, (Einleitung, Kristellern etc.) die den natürlichen Gebursvorgang unterbrechen und ihm damit eine klinikrelevante Zwangsmaßnahme verpassen. (Stichwort: programmierte Geburt)

Viel wichtiger als Sport finde ich neben allgemeiner Bewegung in der Schwangerschaft, das psychische Wohlergehen der Frauen. Ist die Seele gestresst, so stresst das auch das Kind. Am Ende haben beide Angst oder keine Kraft mehr. Dann folgt gegebenenfalls eine Not OP.

Daher – habt Freude und provoziert sie. Geht doch mal mit Freunden wandern, oder trefft Euch mit anderen Schwangeren zum Schwimmen. Steigt Treppen, so lange es sich für Euch gut anfühlt oder fahrt Fahrrad. Macht einfach Dinge die Euch davon abhalten, auf dem Sofa und vor dem Fernseher zu versacken. Wie wäre es mit Kino? Klingt gut? Na dann geht doch zu Fuß dahin und verzichtet auf das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel. Oder ihr spaziert durch Parks mit Spielplätzen. Seht Euch an, wie es da zugeht und worauf ihr Euch freuen könnt. Bewegung lässt sich gut in den Alltag integrieren. Dafür braucht man sicher keine Mitgliedschaft im Sportverein oder Spezialkurse vor der Geburt. Seid draußen, seid nicht allein und macht alles das, was eure Glückshormone in Rage versetzt.

Den Artikel aus der Ärztezeitung findet ihr hier | Den Originalbeitrag zur Studie könnt ihr hier einsehen.

 

Eine sonnige Septemberwoche wünsche ich Euch!

 

Silke,
von Elternstimme sichere Geburt

Sport und Kaiserschnitt_aberwehe

Foto by Pixabay



ein Kommentar

  1. sitopanaki88 · · Antworten

    Wir sind eine sesshafte Gesellschaft und bewegen uns kaum. Das bedingt so schrecklich viele Probleme und Schmerzen, die beide Geschlechter betreffen, und das bisschen Sport, was wir machen* bringt da im Großen und Ganzen wenig. Bei Frauen fällt es nur deswegen stärker auf, weil sie gebären und das körperlich ohne das entsprechende Muskeltraining durch Bewegung den ganzen Tag über deutlich schwieriger geht.

    * Selbst, wenn ich fünfmal die Woche intensiv eine Stunde lang jogge, macht das 5 von 168 Stunden an intensiver Bewegung. Was passiert in den anderen 163 Stunden? Laufe ich eine Stunde zur Arbeit, oder fahre ich? Was ist mit der Oberkörpermuskulatur, wann mache ich wirklich etwas mit den Armen? [Mehr dazu bei Katy Bowman – https://nutritiousmovement.com/blog/%5D

    Das ist der Unterschied, den regelmäßige und idealerweise viel über den Tag verteilte Bewegung in der Schwangerschaft macht. Kann man dadurch das persönliche Risiko beeinflussen? Ja. Wo ist aber das große Problem? Das große Problem ist der Lebensstil, der von der Gesellschaft vorgegeben wird. Ist es einer Frau möglich, das zu ändern? Ja, etwas.

    Wer muss etwas ändern? Es ist kein Frauenproblem, es ist ein Gesellschaftsproblem, das sich hier in diesem Parameter zeigt. Wer muss etwas ändern? Es ist viel mehr Freizeit und Entschleunigung notwendig, und dazu muss Politik und Wirtschaft den Rahmen ändern, sonst können, bezogen auf Geburt, nur wenige Frauen, nämlich „gut gestellte mit Zeit“ für sich bedeutend etwas ändern [ich habe im März angefangen, zur Arbeit zu laufen, also fünfmal die Woche eine Stunde lang gehen statt zehn Minuten zu fahren – das geht aber nur, weil ich mir diese Zeit nehmen *kann* und es keinen interessiert, ob und wann ich arbeite, sozusagen. Und gesundheitlich bringt es mir wahnsinnig viel.]

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