Frauen! Erkennt die Beleidigung und findet Eure Selbstachtung wieder

Es war im März 2014, knapp vier Wochen nach dem flächendeckendem Aufkeimen des Elternprotestes für eine sichere Geburtshilfe in Deutschland, als Frédérick Leboyer sich zu den unzähligen Protesten für den Erhalt der freiberuflichen Hebammen und der Change.org Petition an Herrn Gröhe äußerte.
Ich organisierte hier vor Ort gerade fieberhaft eine Kundgebung, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und ein deutliches Zeichen dafür zu setzen, dass das Gebären keine Fremdentscheidung ist, sondern ein selbstbestimmtes und würdevolles Lebensereignis. Meine Hebamme, die mir bei meinen außerklinischen Geburten zu Seite stand, arrangierte ein Treffen mit Frédérick Leboyer in der Schweiz und berichtete ihm von den aktuellen Ereignissen in Deutschland. Auch davon, dass es gerade den Anschein hat, Frauen würden sich wieder selbst ermächtigen.

Frédérick Leboyer wandte sich mit einem Aufruf an die Frauen in Deutschland

Frauen, erkennt die Beleidigung und findet Eure Selbstachtung wieder.
Gebärt Eure Kinder selbst.
Keiner kann es Euch abnehmen.
Niemand würde versuchen, für Euch zu essen oder zu schlafen.
Das wäre absurd!
Und genauso absurd ist es, wenn andere Eure Kinder zur Welt bringen.

Als mich meine Hebamme aus der Schweiz am 9. März anrief und mir Leboyers Botschaft mitteilte, habe ich noch nicht vollständig verstanden, was er uns damit sagen will. Das lag daran, dass ich in meiner Geburtserfahrungswelt doch genau das gelebt habe, was er scheinbar übermitteln wollte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht viel über die Geburtskultur, die sich bei uns im Lande manifestiert hatte. Ich wusste nicht viel über die Entmündigung und Fremdbestimmung bei Geburten. Ich war naiv, weil ich dachte, dass das, was ich erlebt habe, der Standard sei und das Andere die Ausnahme.
Wenige Monate später und um viel Engagement reicher, verstand ich dann, warum man so etwas Selbstverständliches wie Selbstachtung und Eigenverantwortung in Botschaften ermahnen muss. Ich verstand nun auch, dass ich zu den wenigen Frauen gehörte, die Geburt als kraftgebend und sich selbst ermächtigend erleben konnte – interventionsfrei und unverletzt. Das habe ich auch Frédérick Leboyer zu verdanken, dessen Wissen und Erfahrungen mich durch meine Hebamme erreichte.

Im Sommer 2015 besuchte Frédérick Leboyer unser Geburtshaus. Mein Herz pochte –  ich kann ihn treffen, mit ihm sprechen. Was soll ich ihm sagen? Was kann er mich lehren?
Ich war völlig aufgeregt. In den Sommerferien war ich verreist. Nach meiner Rückkehr sollte sich noch ein schmales Zeitfenster für diese Begegnung öffnen. Leider kam alles anders. Er reiste früher ab und ich hatte keine Möglichkeit mehr, ihn persönlich kennen zu lernen. Das bedauere ich sehr. Er ist mittlerweile 98 Jahre alt und womöglich war das sein letzter Besuch in unserem Land.

Seine Botschaft bleibt und ich möchte sie heute noch mal mit Euch teilen.

FrédérickLeboyer_aberwehe

(Das Foto wurde am 9. März 2014 in der Schweiz aufgenommen und zeigt Frédérick Leboyer mit der Hebamme Raphaela Hoyer | Bildrechte Raphaela Hoyer)


 

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