Unglaublich, aber wahr: Klassiker im Kreißsaal

Da plauderte eine Hebamme kürzlich aus ihrem Nähkästchen, und zwar über Sprüche, die ihr im Kreißsaal zu Ohren gekommen waren.
In ihren vielen Dienstjahren hat sie ja schon viel erlebt und gehört. Doch manche Sachen, die kommen immer wieder vor. Sie sind sozusagen zeitlos –  Klassiker eben, wie diese Sprüche.

Klassiker im Kreißsaal aus Sicht einer Hebamme

1_____ 
„Es ist noch kein Kind drin geblieben“
2_____
„Meine Frau möchte keine PDA.“
3_____
„Schatz, du wolltest doch keine PDA, jetzt musst du dich auch zusammenreißen.“
4_____
„Wir haben einen Geburtsplan.“
5_____
„Meine Mutter hat fünf Kinder bekommen, jetzt stell' du dich mal nicht so an! Sie hat damals keinen so schönen Kreißsaal gehabt!“
6_____
Nach der ersten Einleitungstablette: „Das wird doch so nix, können Sie nicht einfach einen Kaiserschnitt machen, das dauert mir hier zu lange.“
7_____
Viele Frauen kurz vor den Presswehen: „Ich gehe jetzt nach Hause, sucht euch doch jemand anderen, der das hier macht!“
8_____
Frau bei der Aufnahme: „Ich bekomme heute mein Kind.“ Frage der Hebamme, wie häufig denn die Wehen kommen würden.
Antwort der Frau: „Ich habe keine Wehen, aber heute ist der Entbindungstermin, das steht im Mutterpass.“
9_____
Ja, den ekelhaften Klassiker gibt es wirklich: Die Frau wird gerade nach der Geburtgenäht. Mann: „Können Sie nicht etwas enger zunähen?“

Für alle die noch so gar nichts mit Gebären am Hut haben klingt das erst mal witzig. Ich gebe zu, bei Punkt 7 habe ich auch lachen müssen und dabei auch noch verständnisvoll genickt. Bei den anderen Sprüchen – mhh…

Ja, ja, „[…] jetzt stell dich nicht so an […]“ Ich frag mich, was die Gebärende getan haben muss, um solch eine Aussage um die Ohren geschleudert zu bekommen. Hat die Frau Schwäche gezeigt, vielleicht gab es da sogar Anzeichen von Angst? Hat sie sich vielleicht tatsächlich getraut, bedürftig zu sein? Bedürftig nach Unterstützung und Zuwendung, nach Verständnis und Nähe? Frech! Das ist ja echt unglaublich! Da darf man schon mal die Schwiegermutterkeule zücken und kräftig ausholen.

Oder: „Du wolltest keine PDA, jetzt musst du dich zusammenreißen!“ Tja, selber schuld. Wer A sagt, muss auch B sagen, und so eine Entscheidung ist nun mal in Stein gemeißelt. Jetzt noch anders entscheiden geht nicht, denn: „Wir haben ja einen Geburtsplan“ Dieser muss natürlich minutiös eingehalten werden, völlig unabhängig von der tatsächlichen Situation. Vor allem gebären WIR ja das Kind.

Klar, die Eltern sind aufgeregt und ungeduldig, die Mütter erschöpft oder im Terminstress, der Partner wollte eigentlich noch mal mit Freunden ins Kino und die Großeltern und Bekannten der Familie können ja auch nicht stundenlang im Flur warten. Die Geburtshelfer haben auch alle Hände voll zu tun, weil sie viele Gebärende gleichzeitig betreuen. Da braut sich mächtig Druck zusammen, den die werdende Mutter kompensieren muss. Sie hat ja schließlich Zeit, sie liegt ja nur rum oder watschelt hysterisch hin und her.

Mein Kommentar zum Klassiker Nummer 9: Du Voll…***!!! Ver***…. F**~~~~?!

So, jetzt fügen sich auch meine Nackenhaare wieder geschmeidig an meinen Schwanenhals und stehen nicht mehr in Kampfstellung wie die Stacheln eines tödlichen Nadders.

Gut, dass wir darüber geredet haben.

Und weil der Text bis hierher so chillig war und auf diesem Blatt Papier noch Platz ist, präsentiere ich euch weitere Klassiker aus dem Kreißsaal. Klassiker, die keine Zeitung je abdrucken würde und die erst jetzt so langsam in die Öffentlichkeit gelangen.
Klassiker im Kreißsaal aus Sicht der Mütter und Eltern

Das sind alles Sprüche, die Mütter und Eltern um die Ohren geschleudert wurden, als sie zur Geburt ihrer Kinder ein Krankenhaus  aufsuchten.

[Bilder: gerechte-geburt.de und bauchgeburt.de]

Na? Lustig, oder?

Für sehr viele Frauen sind jedoch auch „aufheiternd gemeinte“ Sprüche unter der Geburt ganz und gar nicht witzig, sondern zu tiefst verstörend und verletzend. Und so mancher lapidar daher gesagte Satz, hinterlässt nur zu oft tiefe Narben und macht vielleicht sogar handlungsunfähig. Fühlt mal nach, wenn ihr könnt.

Darum, und auch weil unsere Geburtshilfe an den individuellen Bedürfnissen der Frauen und deren Gesundheit weiter und weiter vorbeischlittert, gibt es jedes Jahr die Roses Revolution. Und seit diesem Jahr gibt es „March of Roses“.

Fühlt ihr euch berufen, alles, was in der Geburtshilfe passiert, weiter so mitzutragen und vor allem persönlich zu ertragen? Oder ist es für euch auch an der Zeit, endlich aufzustehen und „Halt! Stopp!“ zu rufen?

Das Ziel einer Geburt ist mehr ist als ein lebendes Kind und eine lebende Mutter

WHO und Eltern schlagen Alarm: Immer mehr Frauen berichten von schlimmen Geburten. Aufgezwungene oder ohne ausdrückliche Zustimmung vorgenommene medizinische Eingriffe, unnötige Behandlungen, Demütigungen und Beleidigungen gehören laut WHO genauso zum Alltag in Kliniken, wie vermeidbare Geburtsverletzungen und medizinisch unnötige Kaiserschnittentbindungen.

Statt des freudigen Ereignisses, erwartet viele Frauen, dass sie unter der Geburt allein gelassen werden, ihre Entscheidung nicht respektiert werden und über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Anne Jandt von Geburt e.V. fordert: „In einem der reichsten Länder der Erde, mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt, sollte es möglich sein, dass das Ziel einer Geburt mehr ist als ein lebendes Kind und eine lebende Mutter. Eine gute Geburt sollte ein stärkendes Erlebnis sein, aus dem Mutter und Kind an Leib und Seele möglichst unverletzt hervorgehen. Das muss unser Ziel sein!“

Veränderung beginnt mit der Wahrnehmung eines Problems – Rosenmärsche am 6. März jeden Jahres

Um die Missstände in der Geburtshilfe aufzudecken, lädt ein Bündnis aus Eltern und Hebammen in verschiedenen Städten zu einem „March of Roses“ gegen Geringschätzung und Gewalt während der Geburt ein.

Die Rose als Symbol des Protestmarsches steht für die Würde, Schönheit und Verletzlichkeit der Frau. Aus diesem Grund sollen die TeilnehmerInnen Rosen aus Stoff, Papier oder echte Rosen mitbringen.

 

kämpferische Grüße!
Elternstimme sichereGeburt

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2 Kommentare

  1. mir hat ja mal ne Ärztin bei ner Untersuchung in der 32 ssw gesagt: das sind keine wehen die sie da haben.
    Ich daraufhin (schwanger mit 3.kind): hören Sie,ich weiß, wie sich sehen anfühlen, ich hab schon zwei Kinder.das sind Wehen.
    Die äußerst charmante Ärztin meinte dann nur : ja ja, das sagen sie alle.

    5min später marchierte die Hebamme in mein Zimmer, schaute auf mein ctg und kriegte nen halben herzkasper wegen der vielen Wehen.

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    1. Ist das nicht furchtbar? Da wirst du als Mutter regelrecht entmündigt und für doof erklärt. Als würdest du gar nicht über deinen eigenen Körper empfinden können.Es bedarf erst eines CTG´s, eines technischen Abbildes, um dir zu glauben. Oh Mann..

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