Fehlentscheidungserträgerinnen

Geht es nach dem Spitzenverband der Krankenkassen (kurz GKV) sollen Schwangere nach Überschreitung des errechneten Entbindungstermins einen Arzt konsultieren. Er soll dann darüber entscheiden, ob eine Frau in die Klinik überwiesen wird. Damit wird Frauen das Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes abgesprochen. Leisten die Schwangeren dieser Zwangsmaßnahme nicht Folge, werden beanspruchte Hebammenleistungen nicht mehr in vollem Umfang bezahlt und damit zur Privatleistung der Familien.

Natürliche Dauer von Schwangerschaften und
individuelle Tragezeiten

JEDE(R) weiß doch heute, dass die Tragedauer einer Schwangerschaft individuell variiert. Der errechnete Geburtstermin (ET) ist lediglich ein Orientierungswert, welcher aufgrund der Angaben der zukünftigen Mütter und den (mehrmaligen) Korrekturen durch Gynäkologen zustande kommt.

„WHO und internationaler Gynäkologenverband FIGO sprechen erst ab ET + 14 von Übertragung. Alles davor ist die ganz normale statistische Varianz unterschiedlicher Tragzeiten bei Menschen.“
Greenbirth

Trotz allem wird die Geburt bei Frauen, die ihr Kind über diesen Orientierungstermin hinaus unter ihrem Herzen tragen, in der Klinik bereits ab dem 8 Tag „über Termin“ eingeleitet.

„In der geburtshilflichen Praxis hat die Leitlinie Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung für Verunsicherung gesorgt. Vielerorts wird nun ab dem 8. Tag nach dem errechneten Termin ohne vorliegende Risikofaktoren mit Bezug auf die Leitlinie eingeleitet, wenngleich die Empfehlung zur Einleitung ab 41+0 SSW in der Leitlinie selbst keineswegs fordernd formuliert ist.„  Stellungnahme der Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaften (Seite 4)

Mit Überschreitung des Orientierungstermins beginnt für Schwangere nicht nur die Interventionskaskade, sondern auch die Ungewissheit darüber, welche kurz- und langfristigen Nebenwirkungen die einleitenden Medikamente haben werden. Als Beispiel hierfür sei Cytotec (Misoprostol) genannt, ein für die Geburtshilfe nicht zugelassenes Medikament, das zur Geburtseinleitung eingesetzt wird. (Im Übrigen auch zur Abtreibung und Bekämpfung von Zwölffingerdarmgeschwüren!)

Verhandlungen zwischen GKV und Hebammenverbänden
abgebrochen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ruft nun die Hebammenverbände und den GKV dazu auf, sich auf Qualitätskriterien für Hausgeburten zu einigen.
Doch wie soll man sich auf etwas einigen, von dem die eine Verhandlungspartei behauptet, dass ein Ausschlusskriterium für Hausgeburten (ET+X) der Gesundheit von Mutter und Kind dient und die andere Partei sagt, dass dieses vermeintliche Qualitätskriterium ohne wissenschaftlichen Nachweis keins ist, und dass solch ein Kriterium den psychischen Druck auf Schwangere verstärkt, was wiederum negative Folgen für die Mutter-Kind Gesundheit hat?

„Du willst selbstbestimmt gebären?“
Pfiff und rote Karte, die Krankenkasse triumphiert.

Im derzeitigen Verhandlungsspiel zwischen dem GKV und den Hebammenverbänden sind wir Eltern nicht die Schiedsrichter. Wir haben als Zuschauer (noch) nicht die Möglichkeit die ROTE Karte zu ziehen, damit Fehlverhalten zu sanktionieren und Spieler auf die Bank zu schicken. Da seit Jahren über unsere Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen werden, die unsere eigene und die Gesundheit unserer Kinder betreffen, sind wir die Leidtragenden gesundheitspolitischen Outputs. Täglich wird Schwangeren die Rote Karte vor die Nase gedrückt. Besonders beim SelbstDENKEN und SelbstENTSCHEIDEN.

Als Fehlentscheidungserträgerin gesundheitspolitischer Leitlinien und fauler Kompromisse gebe ich heute an meine Krankenkasse und deren Spitzenverband die ROTE Karte zurück, denn ich will diese Arschkarte nicht haben.

Sollten sich die Verhandlungsparteien auf eine Regelung einigen, die Schwangeren ihre natürliche und individuelle Tragezeit aberkennt, werden Frauen, egal wo sie gebären möchten, zukünftig die A-Karte erhalten. Denn dann entscheiden Dritte (wie bereits heute bei Klinikgeburten ab ET+8), gegen den Rhythmus und die Erfahrung ihrer Köper, wann, wie schnell und wo ihre Kinder geboren werden sollen. Das verstößt nicht nur gegen das Selbstbestimmungsrecht, sondern ist bar jeder Vernunft und zu dem noch frei von wissenschaftlichem Nachweis. Ein willkürliches Kriterium, das zur Qualität von Geburten beitragen soll, ist Missbrauch von Wissenschaft im Namen einer Agenda.

Im Übrigen haben sich meine eigenen Kinder auch nicht an den errechnete ET gehalten. Sie gehörten nicht zu den knapp 5% der Babys, welche eine statistische Punktlandung absolviert haben. Warum sollten sie auch! Es lebe die Wahlfreiheit – von Anfang an.

Die Regelung verletzt das Gebot der Verhältnismäßigkeit, das Selbstbestimmungsrecht der Frau, die Rechte des Kindes, das verfassungsrechtlich geschützte Berufsausübungsrecht der Hebammen und es verletzt das Gleichbehandlungsgebot.

Die vom Spitzenverband vorgeschlagene Regelung ist deshalb rechtswidrig.

ein Kommentar

  1. engelien hannelore · · Antworten

    Ich als Hebamme kann nur den Frauen
    raten in aller Ruhe abzuwarten und sich nicht am 8.Tag einleiten zulassen.
    Wir Hebammen wissen,das solche Einleitungen bis zu 5 Tagen dauern können,somit ist die Frau am 12.Tag über ET angekommen,ab jetzt hat die Frau einen Erfolg mit der Einleitung.
    .. Abwarten, jedes Kind kommt auf die Welt, wenn es reif ist.
    Frauen geht nicht nach dem US, sondern hört in Euren Körper hinein ,der zeigt Euch den richtigen Weg.
    Ich habe in meinen 40Jahren so wenig echte Übertragungen gesehen,bleibt cool
    Hannelore

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