Natürliche Geburt ist ein Menschenrecht

NATÜRLICHE GEBURT IST EIN MENSCHENRECHT* -wie kann man das in die Köpfe oder auf die Stirn der Entscheider bei den Krankenkassen oder politischer Akteure tätowieren?

aus dem Kommentar von Vera Zischke auf ihren eigenen Artikel in der Westdeutschen Zeitung vom 25.Mai 2015:

„Mit jeder Generation verlieren Frauen ein Stück mehr die Zuversicht in den eigenen Körper, in ihre Fähigkeit, ein Kind aus eigener Kraft auf die Welt zu bringen – wie lange es auch dauern mag. Das Wissen der Hebammen wird als Gegenpol zu unserem Effizienzstreben deshalb immer wichtiger. Für eine Kasse mag es überflüssig erscheinen, neben den Leistungen der Klinik und des Frauenarztes auch noch die Hebamme bezahlen zu müssen. Für Familien aber ist diese Leistung im allerbesten Sinne unbezahlbar.“

„Steht die Geburtshilfe auf der Kippe?“ Ich frage mich, warum das immer noch als Frage formuliert wird?

Ja, der Spitzenverband der Krankenkassen und die Hebammenverbände einigen sich nicht über die Zwangsmaßnahme, dass eine Frau, wenn sie den errechneten Geburtstermin um wenige Tage überschreitet, einen Arzt konsultieren muss. Zu Recht. Denn die Überschreitung dieses statistischen Termins ist kein Indikator dafür, dass eine Frau in die Klinik geschickt werden muss. Insgesamt kann die Dauer der Schwangerschaft bis zu fünf Wochen variieren. Der ET ist NUR ein Orientierungswert. Ein Datum ohne zwingende Konsequenz.

„WHO und internationaler Gynäkologenverband FIGO sprechen erst ab ET + 14 von Übertragung. Alles davor ist die ganz normale statistische Varianz unterschiedlicher Tragzeiten bei Menschen. Das unter-Stress-setzen gesunder Schwangerer und ihrer Feten erfüllt in meinen Augen den Tatbestand der Körperverletzung und Nötigung. Eine ärztliche Beratung darf Risiken aufzeigen und Vor- und Nachteile eines abwartenden Verhaltens benennen. Sie muss aber unbedingt sachlich bleiben und darf nicht mit massivem psychischen Druck arbeiten.“ Greenbirth, 20. Mai 2015

Also, warum soll ein Arzt darüber entscheiden, wo Frauen gebären sollen? Und allen, die über den Tellerrand schauen können, ist längst klar, dass sich eine mögliche Fremdbestimmung bei Hausgeburten durch Dritte AUCH auf die Geburten auswirkt, die in der Klinik oder im Geburtshaus stattfinden sollen. Das finale Szenario heißt dann wahrscheinlich Zwangseinleitung nach ET – entgegen dem Menschenrecht auf natürliche Geburt.

Und auch wenn diese Thematik weiterhin durch die Presse als Fragestellung für Minoritäten dargestellt und mit der Frage nach dem Sterben der Geburtshilfe in Verbindung gebracht wird, ändert es nichts daran, dass es alle Geburten betreffen wird, egal wo geboren wird. Und bitte, es sage dann niemand, er hätte DAS nicht gewusst! Auch in Kliniken und in Geburtshäusern wird Geburtshilfe geleistet. So wie bei Hausgeburten auch. Und wer leistet die Geburtshilfe? Nein, falsch, es ist nicht der outgesourcte Paketzusteller. Es sind Hebammen.
Noch mal zur Erinnerung: es handelt sich dabei um den Berufszweig, dem gerade die Arbeitsgrundlage genommen wird. Auch wenn physisch nicht korrekt formuliert und Gemüter erhitzend: das => Hebammensterben<= ist ein zeitgenössisches Problem. Mit Sorgfalt und Vielschicht hausgemacht – Made in Germany. Und ich setze noch eins drauf: Hebammensterben = Geburtshilfesterben.

Liebe Westdeutsche Zeitung, ich beantworte euch gern die einleitende Frage des Beitrages: Ja, die Geburtshilfe steht auf der Kippe. Sie hängt sogar nur noch am sehr dünnen, seidenen Faden. Es ist also gar nicht mehr an der Zeit solch eine Frage zu stellen, sondern zu handeln – und zwar mit Weitsicht, Menschenverstand und Respekt vor beginnendem Leben.

Und an alle Eltern gerichtet: Solidarität, Girls! [and Boys]: „Stellt euch auf die Seite der Frauen […]! Lasst euch nicht mit Halbwahrheiten abspeisen, sondern hinterfragt die Regeln von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken danach, ob sie wirklich der Sicherheit eures Körpers und eurer (zukünftigen) Kinder dienen oder vielleicht doch nur aus Angst oder gar aus wirtschaftlichen Gründen passieren. Wir müssen für unsere Rechte eintreten, damit wir, unsere Töchter und deren Töchter auch in der Zukunft eine Schwangerschaft und Geburt erleben können, die natürlich, selbstbestimmt, würdevoll und möglichst verletzungsfrei bleibt!“

*Überschrift des WAZ-Kommentars von Vera Zischke

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